Die 10 beliebtesten neuen Linotype-Schriften 2010


Jedes Jahr erscheinen bei Linotype unzählige neue Schriften. 2010 waren es alleine dreißig. In diesem Post findet ihr eine Übersicht, welche dieser neuen Schriften am beliebtesten ist. Dazu gibt es Hintergrundinfos zu den Schriften und ihren Machern. Gemessen wurde die Beliebtheit anhand der Seitenaufrufe und der Verkäufe der neuen Schriften in 2010.

1. Potpourri von Gottfried Pott

Potpourri
„So müsste man ein komplettes Alphabet gestalten“, sagte Gottfried Pott als er auf dem Cover eines Linotype Matrix-Magazins ein Versal-A aus seinem Buch „Das Schreibmeisterbuch – A Letter Collection“ sah. Im Vordergrund der Potpourri stehen Spontaneität und Dynamik. Damit geht er seinen eigenen Weg, denn die meisten Kalligrafieschriften wirken eher fein und perfektioniert! Der Name der Schrift ist natürlich eine Anspielung auf Herrn Potts Nachnamen, jedoch spiegelt der Name auch den Mix aus verschiedenen Schriftelementen- und stilen wider, so wie die serifenartigen An- und Abstriche, die bei einigen Buchstaben zu finden sind. Ich finde die Potpourri wirkt am besten weiß auf schwarz, so wie sie auch ursprünglich gezeichnet wurde.

2. ITC Stone Sans II von Sumner Stone
ITC Stone Sans II
Mit der ITC Stone Sans II verhält es sich wohl wie mit jeder künstlerischen Arbeit: Auch wenn die Perfektion des Designs und des Fonts von Kennern attestiert wurde, ist der Kreative fast nie wirklich zufrieden und es gibt immer Details, die er noch weiter verbessern möchte (das ist beim Texten nicht anders…). So hatte Sumner Stone eigentlich nur vor einige Strichstärken und Condensed-Schnitte zu seinem Klassiker ITC Stone Sans hinzufügen. Aber während des Projekts ergaben sich neue Anhaltspunkte für ihn, wie die Überarbeitung der Details von Buchstabenformen und Proportionen. Heute ist Sumner mit seiner ITC Stone Sans II zufrieden: „Die Reichweite des Projekts wuchs beachtlich, aber ich bin zufrieden mit dem Endergebnis. Mit der Überarbeitung wurden sowohl die Lesbarkeit als auch das allgemeine Erscheinungsbild der Schrift verbessert.”

3. Helvetica Monospaced
Helvetica Monosapced
Die Helvetica Monospaced ist nicht unbedingt nur für Programmierer gedacht, die ihren Augen etwas schönes gönnen möchten, sondern auch für avantgardistische, mutige Projekte! Die Macher von Slanted haben Monospaced-Schriften gleich eine ganze Ausgabe ihres Magazins gewidmet, und im neu aufgelegten Fonts in Focus Magazin von Linotype wurde die Helvetica Monospaced als Headline-Schrift eingesetzt. Dem Type Directors Club hat sie anscheinend auch gefallen, denn die Fonts in Focus No.7 wurde mit einem Certificate of Excellence ausgezeichnet.

4. Elegy von Jim Wasco

Immer wieder mussten meine Kollegen Anfragen bezüglich der Schrift, die für das ITC-Logo verwendet wurde mit ”Die Schrift ist leider nicht erwerbbar” beantworten. Daher war es Allan Haley, Director Words & Letters bei Monotype Imaging Inc. (zu der auch ITC und Linotype gehören), besonders wichtig endlich eine Schrift entwerfen zu lassen, die auf dem Logo der ITC von Ed Benguiat basiert. Wasco, Designer der Elegy, wählte den Namen als Tribut für Aaron Burns, einen der Gründer von ITC. Einen wunderschönen Trailer (so stell ich mir filmisch umgesetzten Ambient-House vor!) hat Jonathan Barnbrook abgedreht. Diese ist zu sehen in unserem YouTube-Kanal: www.YouTube.com/LinotypeFoundry

5. Francker von Anders Francker

Anders Francker ist studierter Ingenieur: Seinem Schriftdesign-Debüt Francker sieht man den technischen Hintergrund sofort an, denn bei der Francker handelt es sich um einen Techno-Font. Obwohl der technoide Charakter offensichtlich ist, hat das Design ein eigenes unverwechselbares “Gesicht”.

6. Aeris von Tom Grace
Aeris
Als Tom Grace die Aeris zeichnete, musste der Bostoner immer an die frische Meeresbrise und das Leben am Meer denken. Als Titel für seine neue Schrift kam daher auch nur Aeris in Frage, denn “aer” ist das gälische Wort für Luft. Tom Grace sagt, dass die beiden größten Einflüsse auf sein typografisches Schaffen Adrian Frutiger und Jean François Porchez haben. Und so kann man auch leichte Züge der beiden Ikonen in seinem Werk wieder finden. Das besondere an der Aeris sind die beiden Optikgruppen in denen sie gezeichnet wurde: Die Optikgruppe A eignet sich besonders gut für große Schriftgrößen und die etwas fettere Varainte B für kleinere Schriftgrößen.

7. Challenger von Manfred Kloppert
Challenger
Die Challenger wirkt auf mich wie ein sehr bestimmender, direkter und unverwechselbarer Mensch, der sich selbst aber nicht zu ernst nimmt und es nicht nötig hat rumzubrüllen um sich durchzusetzen. Im Webdesign könnte ich mir die Challenger in einem größeren Grad als gestaltendes Element einer Seite vorstellen.

8. Mantika Informal von Jürgen Weltin

Die Idee hinter der Mantika Informal war es eine Schrift für Kinderbücher zu entwerfen. Daher war es Jürgen Weltin besonders wichtig eine Schrift zu schaffen, die Kinder anspricht ohne dabei kindisch zu wirken (denn das mögen die jungen Leser gar nicht), und die Balance zwischen optimaler Lesbarkeit und einem nicht zu industriellen Charakter zu erhalten.

9. WilliamLucas von Martin Wait

Vielleicht hat sich der Londoner Designer auch beim Design von seinem Neffen William Lucas inspirieren lassen? Oder eher von der unvergleichlichen britischen Eleganz mit Hang zur Extravaganz? Jedenfalls bietet die Schreibschrift unzählige Alternativzeichen, Anfangs- und Endbuchstaben, Zierbuchstaben, dekorativen Großbuchstaben (in einigen Fällen vier verschiedene zur Auswahl!). So kann jeder Designer die WilliamLucas Script nach seinen eigenen Vorstellungen setzen.

10. Stempel Elan von Frank Grießhammer
Das Wort “Stempel” trägt die digitalisierte und überarbeitete Revival-Schrift Stempel Elan im Namen, weil sie ursprünglich für die Deutsche Stempel AG, Frankfurt entworfen wurde. Der Designer Hans Möhring sagte 1937 über seine Elan, dass sie als Auszeichnungsschrift am besten zu allen Groteskschriften, wie zur Memphis (Egyptienne) und sonstigen Antiquaschriften passt. Einfach gesagt: Sie eignet sich für jeden Zweck. Persönlich erinnert mich die Schrift spontan an Sommer und Eiscreme. Vielleicht auch weil ihre Wurzeln in den Werbeschriften der 1930er Jahre liegen.
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