Dear Jan, Erik and Lucas.

Die Vorlesungszeit meines zweiten Semesters in Hong Kong nähert sich rasant dem Ende zu. Eine Aufgabe die ich dieses Semester meinen Typo-Studenten gestellt habe, war ein Referat zu einem Schriftgestalter und dessen Arbeit zu halten. Keine ungewöhnliche Aufgabe.

Ungewöhnlich für mich zu hören, dass meine Hong Konger Studenten nicht etwa von Tschichold, Spiekermann oder de Groot sprachen. Nein. Sie sprachen vom Jan, Erik und Lucas. Die Unterrichtssprache Englisch hält viele Formalitäten in komfortabler Weise offen. So muss man sich nicht Gedanken machen ob man jemanden mit Sie oder Du anspricht. Allerdings, von ehrenwerten Gestaltern zu sprechen, die man dann mit Vornamen nennt, war für mich neu. Alle Vortragenden nannten auch ihre Bewunderung für die Arbeit von Jan, Erik, Lucas und co. und dennoch die ledigliche Nennung des Vornamens.

Am Ende der Präsentation war meine Frage, warum nur der Vorname? Die Antwort war kulturbedingt und hatte nichts mit mangelnder Achtung zu tun. Tschichold, Spiekermann und de Groot ist nicht einfach auszusprechen für die cantonesischen Zungen.

CHENG Lai Lai (Lily): Typographie Klasse an der Academy of Visual Arts, Hong Kong

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