Brand Perfect Tour // Hamburg 2011

Was bedarf es, um eine Marke perfekt zu präsentieren und digital erlebbar zu machen?

Um diese Frage geht es heute im Hotel East Hamburg bei der von Monotype Imaging und Linotype ins Leben gerufenen Brand Perfect Tour, dem Forum für digitale Markenentwicklung.

Mit 104 angemeldeten Teilnehmern sind wir mehr als ausgebucht – und wenn ich so durch die voll besetzten Reihen schaue, sind auch tatsächlich alle gekommen! Wow …

Als Keynote-Speaker konnten wir Alexander Schröder von Landor Associates gewinnen. Er spricht gerade über “Brand Strategies for Digital Media” – vom Monolog über den Dialog zur Moderation: Markenkommunikation ist heute Sache der Öffentlichkeit und unterliegt nicht länger der Kontrolle der Markeninhaber. Dabei ist es “erst” 15 Jahre her, dass es total verrückt war, eine URL auf eine Printanzeige zu packen. Ganzheitliches Brand-Management bedeutet heute, das Markenerlebnis zu managen, in Sachen Kommunikation, Struktur und Verhalten.

Mehr dazu gibt es unter: www.brandsimple.com/blog/ … Ich muss jetzt nämlich mal zuhören und werde hier im Laufe des Tages weitere Einblicke in unsere Vorträge, Diskussionen und Workshops geben.

Für alle, die heute nicht dabei sein können, sei schon gesagt: Im Herbst gehen wir wieder auf Brand Perfect Tour!

Viel Spaß!

9:45 Uhr: Phillip Clement von bemoko (Software- und Webentwicklung) erzählt gerade, dass viele Leute in London ein iPhone (privat) UND einen Blackberry (beruflich) haben … in Deutschland ist es offensichtlich anders, ergibt eine spontane Umfrage unter dem Publikum. Tja, nur funktionieren viele Seiten leider nur auf dem einen oder auf dem anderen Gerät. Auch die Financial Times App – nicht gerade unbeliebt in UK, hab ich mir sagen lassen – funktioniert zwar auf dem iPad, nicht aber auf dem iPhone – 20 Prozent der Kunden sind damit zufriedengestellt, der Rest jedoch nicht, und das Markenerlebnis ist verloren. Wir lernen spätestens jetzt, dass Dead Ends, die im Web selten mehr zu finden sind, im Bereich Mobile noch normal sind. Auch wenn die Betriebssysteme sich zuspitzen auf iOS, Android und wenige mehr, ein Problem bleibt bestehen: Wir sind nicht in der Lage, die OS- und Geräte-Durchdringung im Markt zu kontrollieren. Auch die Anzahl der Browser nimmt zu … “we’ve been here before” … und Philipp erinnert uns an die technologische Entwicklung seit dem 18. Jahrhundert bis hin zu den einzig und allein Single-Task-fähigen Computern im Jahr 1981. Kein Multi-Tasking? Kein Smartphone? Websites “optimiert für Internet Explorer 4.x und eine Auflösung von 800 x 600? Unvorstellbar?! Ich bin gespannt, wo wir in 20 Jahren stehen …

10:05 Uhr: Heute mal kein Arabisch … Nadine Chahine spricht jetzt über Type & Usability in New Media: Mit der Marke interagieren zu können ist für den User entscheidend. Und damit entscheidend für die Reichweite der Marke. Apple z.B. stimuliert bei seinen “Jüngern” die gleichen Teile des Gehirns, wie religiöse Bilder bei Gläubigen. Superbrands oder Love Marks funktionieren auf emotionaler Ebene, doch wie kommt man dahin? Klarheit, Einheitlichkeit, Direktheit, Design, Authentizität und nicht zuletzt Geschwindigkeit im Kampf um die Aufmerksamkeit, lautet die Antwort.

Und welche Rolle spielt die Typografie dabei? Sie ist die Stimme, mit der man spricht. Sie ist die körperliche Ausprägung der Botschaft, die man sendet, sie ist Geschenk und Verpackung gleichermaßen. Wenn man hier etwas falsch macht, riskiert man einen Bruch zwischen dem, was man sagt, und der Art und Weise, wie man es sagt. Schlimmstenfalls führt schlechte Typografie auch noch zu Augenkrebs ;-) und Kopfschmerzen … Markenkonsistenz sollte also auch typografische Konsistenz beinhalten … “You don’t change horses in the middle of the race!” Jede Schrift ist eine Persönlichkeit, und man sollte diejenige wählen, die zur Marke passt.

11:17 Uhr: Doug Wilson, Regisseur von “Linotype: The Film”, kam extra aus den USA herüber und gibt uns einen Vorgeschmack auf sein Werk: http://linotypefilm.com/

11:35 Uhr: Die Marke im digitalen Raum – die Podiumsdiskussion mit Johannes Schardt, Dan Reynolds, Louisa Heinrich und (als Ersatz für Frank Gruber) Alexander Schröder beginnt.

Übrigens wird auch eifrig getwittert unter @brandperfect!

Alexander Schröder auf die Frage, in wie weit Interaktion ein Markenthema sei? “Ein gutes Beispiel ist BMW – der durchschnittliche 7er-Fahrer war plötzlich nicht mehr 70, sondern 49 Jahre alt – die ursprüngliche Zielgruppe war verloren, denn sie kaufte nun Mercedes! Ergo: Man kann sich nicht mehr auf den alten Weisheiten ausruhen, sondern muss seine Marke kontinuierlich anpassen.”

“Der größte Teil einer Marke besteht aus Farbe und Schrift, wenn dies konsistent bleibt, ist schon viel gewonnen. Doch eine Marke ist eine Erfahrung, ein super Logo hilft nichts, wenn eine Firma z.B. unmoralisch wirkt. Das grafische Spiel mit der Markenpersönlichkeit hat eine wichtige Rolle inne, ist aber nicht alles” sagt Dan Reynolds. Es folgt die ketzerische Frage, ob ein Logo in der Verdana dann in Ordnung sei? Dan: “Die Frage ist nicht, ob die Verdana gut oder schlecht ist, sondern ob wir sie heute noch brauchen oder anderen Schriften unsere Aufmerksamkeit zuwenden können.”

(v.l.n.r.: Alexander Schröder, Dan Reynolds, Alessio Leonardi, Johannes Schardt, Louisa Heinrich)

… Die Diskussion nimmt Fahrt auf und lässt sich nicht mittippen. Müsst ihr das nächste Mal einfach live dabei sein! :-)

Doch das Fazit lautet: Es ist wichtig, dass man seinen (digitalen) Auftritt kontinuierlich hinterfragt, um jeden Tag in der Beziehung und an den Schnittstellen zwischen Menschen, Marken und Unternehmen ein gutes Ergebnis zu erreichen.

12:00 Uhr: Louisa Heinrich über “Where the Brand breaks”. Am Anfang war die Marke, dann der PC und das Web, dann viele verschiedene Geräte und die Probleme, sich zu konsistent zu präsentieren, wurden größer. Heute ist die Marke über die mobilen Geräte nach Hause gekommen und lässt sich dank facebook und Co. nicht mehr kontrollieren. Louisa gibt den Tipp: “Stop stressing out about consistency – start thinking about context around your brand”. Denn nur zehn Prozent einer Konversation kommt von dem, was ich sage. Der Rest kommt von meiner Körpersprache oder der Farbe meiner Augen. Kontext ist also in persönlicher Hinsicht auch Sache meiner Freunde, mit denen ich vernetzt bin, dem Ort, an dem ich mich befinde, was ich brauche und wo ich hingehe. Technologisch gesehen sind es das Gerät, das OS, der Zugang …

Die Leute wollen Kontrolle erlangen; es gibt viel Lärm, viele Störgeräusche in der Welt, wir filtern den ganzen Tag für uns relevante Inhalte von irrelevanten und lesen schon lange nicht mehr alles. Was wir spannend finden, teilen wir mit unserem Netzwerk. Wenn man es als Marke richtig macht, gibt man hierbei Hilfestellung. Doch viele Marken, z.B. bei facebook, sind das Äquivalent von “Party Buggers”, die an der Tür lauschen und dann reinkommen und “stimmt doch gar nicht” schreien. Wichtig ist auch, dass das digitale Markenerlebnis zur Marke passt: Wenn die Marke BMW, mit der man schnelle Autos assoziiert, digital irgendetwas Langsames macht, kommt es zu besagtem Markenbruch.

Louisas Fazit lautet: 1. design for contexts, 2. design for a brand in action, 3. design digital DNA

14:00 Uhr: Nach einer sehr leckeren Mittagspause starten wir nun bereits mit den drei Workshops und der Brand Perfect Klinik. Das Prinzip ist eigentlich einfach, führt aber anscheinend doch hier und da zu Verwirrung. Gerne erkläre ich es an dieser Stelle: Alle drei Workshops laufen parallel und werden nach einer Kaffeepause wiederholt. Man kann sich also zwei Workshops aussuchen, an denen man teilnimmt. Oder – Mut zur Lücke – nur einen davon besuchen und statt dessen zur Brand Perfect Klinik gehen. Und sich von Otmar Hoefer (er weiß ALLES über Schriften!) oder Thomas Coldwell (sein Spezialgebiet sind Font- und Display-Technologien für Erstausrüster) professionellen Rat bezüglich des eigenen Markenauftritts auf unterschiedlichen Ausgabegeräten einholen.

So, dann werde ich mal die Nase reinhalten … Ach ja, zur Auswahl stehen bei den Workshops:

  1. Strategies for Multiscreen Interaction // Johannes Schardt & Christophe Stoll, precious
    Hier geht’s zur Slideshow …
  2. Typography Master Class // Dan Reynolds, Linotype
  3. Times New Romance – Typo-Diversität im Netz // Alexander Polzin, Fork Unstable Media
    “Wollt ihr nur Zuschauen oder Mitprogrammieren?” (Zuschauen war die Antwort … ;-) )

16:48 Uhr: Kleingruppenarbeit im Workshop von precious: Es geht zunächst darum, Ideen für eine Customer Journey zu finden. Wie bereitet sich wohl Familie Reifberger auf den Urlaub vor, was inspiriert sie, welche Bedürfnisse haben sie im Urlaub und was passiert nach dem Urlaub?

Anschließend sollen konkrete Ideen für eine Anwendung, den “Travel Butler”, einen digitalen Reise-Service, entwickelt werden. Er ist unaufdringlich, aber immer da, wenn man ihn braucht, er ist kompetent, elegant und niveauvoll. Welche Anwendungsfälle sind hier denkbar, welche Features werden beim Travel Butler benötigt? Wie kann man nun mindestens drei verschiedene Geräte in den Urlaubs-Zylus einbinden? Was ist sinnvoll auf dem Smartphone, am PC, auf dem Tablet oder im Fernseher? Welche Bedürfnisse werden mit der Anwendung befriedigt, welches Problem gelöst? Last but not least: Wie funktioniert die Anwendung? Wie könnte das Interface aussehen?

17:23 Uhr: Unglaublich, wie schnell dieser Tag vergangen ist! Noch schnell in den Fork-Workshop springen, Webfonts interessieren mich ja auch privat! Hier geht es kurz vor Schluss richtig tief zur Sache, die browserspezifische Schriftglättung hat es in sich.

verwandte tags ,
Kommentare / Kommentar abgeben

Ihr Kommentar