Fünf Schriftfamilien aus den Bibliotheken von Linotype und Monotype gehören zu den Gewinnerschriften des Letter.2-Wettbewerbs von ATypI

Die renommierte typografische Organisation ATypI (Association Typographique Internationale) gab jetzt die Gewinner ihres Design-Wettbewerbs Letter.2 bekannt. In der 54-jährigen Geschichte von ATypI gab es bisher erst zwei derartige Wettbewerbe, der erste, bukva:raz!, fand vor zehn Jahren statt.

Durch den Wettbewerb sollten typografische Spitzenleistungen gefördert und eine Rückschau auf die besten Schriftdesigns des letzten Jahrzehnts geboten werden.

Die Jury traf sich vom 1. bis zum 2. Oktober in Buenos Aires, um ihre Auswahl zu treffen. Von den 561 eingereichten Schriften wurden 53 ausgezeichnet, fünf davon stammen aus Bibliotheken von Linotype und Monotype – ein wirkliches erfreuliches Ergebnis!

Unsere Gewinnerschriften sind Neue Haas Grotesk™ von Christian Schwartz (2011), Veljovic Script™ von Jovica Veljović (2009), Pirouette™ von Ryuichi Tateno (2003), Egyptian Slate™ von Rod McDonald (2008) und Mundo Sans™ von Carl Crossgrove (2002).

Nachfolgend einige Informationen zu diesen Schriften:


Die originale Neue Haas Grotesk für den Bleisatz wurde Ende der 1950er Jahre zu der bekannten Helvetica®. Im Verlauf der Zeit entfernte sich Helvetica jedoch von ihren Wurzeln. Einige der Merkmale, die gerade den Charme der Neue Haas Grotesk ausmachten, wurden entfernt oder verändert, weil technische Entwicklungen Kompromisse forderten. Christian Schwartz erklärt: „Die Neue Haas Grotesk wurde ursprünglich für den Handsatz in Größen von 5 bis 72 Punkten geschaffen, während die digitale Helvetica stets „Eine für alle“ war, was zu bedauerlichen Kompromissen führte.” Das digitale Revival von Schwartz räumt sozusagen alle Missverständnisse aus.

Alle traditionellen Merkmale der Neue Haas Grotesk, die der heutigen Helvetica zum Opfer fielen, wurden in diesem präzisen, digitalen Abbild zurückgewonnen.

Veljovic Script ist eine unkonventionelle Schreibschrift des Meisterkalligraphen Jovica Veljović. Ihre Buchstaben sind generell nicht verbunden, können sich in bestimmten Kombinationen jedoch überschneiden. Die Familie ist in den vier Strichstärken Light, Regular, Medium und Bold erhältlich. Die besondere Charakteristik der Schrift ist die Mehrsprachigkeit, da sie sowohl das lateinische als auch das kyrillische Alphabet unterstützt. Die Version Cyrillic enthält sowohl das lateinische als auch das kyrillische Alphabet. Jeder Schnitt ist als Font mit lateinisch oder kyrillisch verfügbar.

Für alle Fonts von Veljovic Script stehen hunderte Alternativzeichen zur Verfügung. In der Version Cyrillic enthält jede Schrift insgesamt über 2.000 Glyphen in ihrem Zeichensatz.

Pirouette basiert auf einem Firmenlogo, das der japanische Designer Ryuichi Tateno im Jahr 1999 entwarf. Tateno experimentierte dabei mit überlappenden, kursiven Schwungbuchstaben, woraus letztendlich die Schrift Pirouette entstand. Die fein gezeichnete Pirouette besteht aus sechs verschiedenen Design-Varianten: Pirouette Text ist eine fein gezeichnete Kursive  und für längere Textpassagen geeignet. Der eher formelle Pirouette Regular-Schnitt verfügt über aufwendig geschwungene Großbuchstaben, ist auch für längere Texte geeignet und harmoniert sehr gut mit Buchstaben von Pirouette Text. Die in den Variationen Pirouette Alternate, Pirouette Separate 1 und Pirouette Separate 2 enthaltenen Buchstaben dienen dazu, Pirouette Text und Pirouette Regular nach Belieben aufwändig zu verzieren und auszuschmücken. Der Schnitt Pirouette Ornaments rundet die Schriftfamilie ab.

Pirouette wurde stark durch die Schriften des renommierten Kalligrafen Hermann Zapf inspiriert, besonders durch die allseits bekannte und beliebte Zapfino©.

Rod McDonald schuf die neue Egyptian Slate aus ihrem serifenlosen Vorgänger Slate™. Das Ergebnis ist eine solide, stilvolle, serifenbetonte Antiqua.

Rod McDonald hatte bereits Skizzen für die Egyptian Slate in Arbeit, noch bevor die ursprüngliche serifenlose Schrift veröffentlicht wurde. Er erinnert sich: „Von Anfang an faszinierte mich der Gedanke, serifenlose Schriften um Pendants mit Serifen zu ergänzen. Nach einer Reihe von Versuchen, verschiedene Serifenstile einzubauen, wurde mir klar, dass eine serifenbetonte Antiqua die beste Lösung ist.”

McDonald stellte bald fest, dass ihm die offene Buchstabenform der Slate das Einfügen markanter Serifen ermöglichte, ohne den Stil des Originaldesigns zu beeinträchtigen. „Ich war überrascht, wie gut Egyptian Slate neben der ursprünglichen Slate bestand, nicht weniger überraschte mich jedoch auch die Erfahrung, dass das Einfügen von Serifen viel mehr Arbeit machte als ursprünglich erwartet”, kommentiert McDonald. „Das Einfügen von Serifen in ein serifenloses Design krempelt alle Schnitte um.” Um das Bild der zwei Schriften visuell gleich zu halten, musste McDonald alle Grundschnitte der neuen Serifenschrift ändern. Jeder Buchstabe musste einzeln angepasst werden, um das visuelle Gewicht der zusätzlichen Serifen auszugleichen.

Die Schriftfamilie Egyptian Slate ist in sechs Schnitten verfügbar, von einem anmutigen Light-Schnitt bis zum dominierenden Black, alle mit eigenen Kursiv-Varianten. Außerdem ist sie als OpenType Pro-Version mit einem erweiterten Schriftsatz erhältlich, der die meisten mitteleuropäischen sowie viele osteuropäische Sprachen unterstützt.

Mit der Mundo Sans beabsichtigte Carl Crossgrove die Erstellung einer humanistischen Schrift mit einem feinen Feder-Duktus, einer grossen Palette an Schnitten sowie einem fliessenden, unauffälligen Kursivschnitt. Das Design hielt er klar und charakteristisch genug für Bildschirm-Anwendungen, seine Unaufdinglichkeit und Ebenmässigkeit perfekt für die Erfassung von Texten.

Mundo Sans verfügt über sieben Schnitte und die jeweils dazugehörigen Kursiven. Die Schnitte reichen von dem feinen, unauffälligem Extra Light-Schnitt über die bodenständige Medium bis zum lebendigen, robusten Ultra-Schnitt. Die Italic-Schnitte der Mundo Sans sind echte Kursive mit fliessenden Strichen und deutlich kalligraphischen Merkmalen. Der Bogen im Abstrich des „a”, der absteigende Strich des „f” sowie zierliche Kurven bei der Grundlinie des „z” schmücken das Design und heben es gegenüber eher traditionellen Oblique-Style-Kursivschriften hervor.

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