Griechische Ligaturen und serbisches Kyrillisch:
Jovica Veljovićs Agmena

Agmena Titel

An einer Schrift von Jovica Veljović zu arbeiten ist eine kleine Herausforderung, denn die vielen stylistischen Alternativen, kontextbedingten Ligaturen, Schwungbuchstaben, alternativen Schwungbuchstaben und sprachlichen Eigenheiten müssen in den richtigen OpenType-Features untergebracht werden. Über die Einsatzmöglichkeiten der Agmena wird auf Linotype.com und auf dem fonts.com Blog berichtet, hier dreht es sich um die vielen kleinen Extras dieser Schrift.

Vor der Entwicklung von OpenType wurden alternative Zeichen wie Kapitälchen oder Schwungbuchstaben in getrennten Fontdateien geliefert. Für die Agmena wären mehrere Fonts pro Schnitt notwendig gewesen. Dank OpenType-Features ist das nicht mehr nötig. Leider unterstützen nicht alle Applikationen dieselben Features. Eine übersichtliche Tabelle, die zeigt, welches Programm welche Features unterstützt, gibt es zum Beispiel bei I love typography.

In letzter Zeit wurde häufig angefragt, auf welchem Weg man bestimmte Alternativzeichen erreicht. Darum wird hier gezeigt, welche OpenType-Features die Agmena mitbringt und wie diese benutzt werden. Um eine Überschrift lebendiger zu machen, können beispielsweise mehrere Features gleichzeitig angewendet werden:

Alle Schnitte beinhalten Ligaturen, Mediävalziffern und Kapitälchen für Latein, Kyrillisch und Griechisch. Die meisten der weiteren alternativen Zeichen sind nicht für den Mengensatz, sondern nur für Überschriften oder kurze Paragraphen geeignet. Die Kursiven haben eine kalligrafische Anmutung, darum hat der Designer entschieden, nur für diese Schnitte Schwungbuchstaben und eine größere Anzahl von Ligaturen zusätzlich zu liefern.

Folgende Features sind sowohl in den aufrechten als auch in den kursiven Schnitten enthalten:
• Bedingte Ligaturen
• Stylistische Alternativen (Formatsatz 1)
• Finalformen (auch als Formatsatz 2)

Diese Features gibt es nur in den Italics:
• Initialformen (auch als Formatsatz 3)
• Schwungbuchstaben
• Serbische Alternativen

Die Features können über mehrere Wege erreicht werden. Oft ist es sinnvoll, sich im Layoutprogramm ein Absatz- oder Zeichenformat einzurichten und dort festzulegen, welche Features benutzt werden sollen. Hier ein Beispiel aus InDesign, in dem die Features über das Menü »Zeichen« angewählt werden:

InDesign OpenType-Features

Da über den Menüpunkt »Positionalform« nur entweder die Initial- oder Finalform angewendet werden kann, sind die entsprechenden Glyphen auch in den Formatsätzen 2 und 3 enthalten. So kann beides gleichzeitig angewählt werden.

Bei den griechischen Buchstaben hat Jovica Veljović besonderen Wert auf den handschriftlichen Charakter gelegt, deshalb finden sich hier besonders viele Ligaturen, die den Schreibfluss zeigen:

Agmena Griechisch

Auch die kyrillischen Buchstaben bieten Alternativzeichen:

Agmena Kyrillisch

In der kyrillischen Kursiven finden sich die in Serbien gebräuchlichen Buchstabenformen. Es existieren nur wenige digitale Schriften mit diesen Zeichen. Das serbische Kyrillisch ist als Standard festgelegt. Ändert man die Sprache im Layoutprogramm für einen Absatz oder ein ganzes Dokument auf Russisch, so erscheinen automatisch die russischen Varianten. Die serbische Variante des Buchstabens »б« ist zwar im Zeichensatz enthalten, aber auf Wunsch des Designers nicht als Standard festgelegt.

Agmena Serbisches Kyrillisch

Jovica Veljović hat bei der Gestaltung dieser Schrift Wert auf Lesbarkeit in langen Texten gelegt. Als er sich mit dem Schweizer Typografen Max Caflisch über die ersten Entwürfe unterhielt, gefielen ihm diese sehr, aber er riet, die Versalien im Verhältnis zu den Oberlängen zu kürzen, um die Schrift besser für Mengensatz einsetzbar zu machen. Zu weit herausragende Oberlängen wiederum können verträumt wirken und die Lesbarkeit beeinträchtigen. Für kurze Texte wie Gedichte können sie aber eine verzierende Wirkung haben.
Darum bieten zwei Schnitte der Agmena ab jetzt noch eine kleine Besonderheit: Italic und Book Italic beinhalten eine »Poetry Variante« – das lateinische Alphabet mit längeren Ober- und Unterlängen – gedacht für den Satz von Poesie.

Agmena Poetry

Nur im Italic und Book Italic Schnitt sind diese Buchstabenvarianten im Formatsatz 4 enthalten, der besonders in Kombination mit Schwungbuchstaben und Finalformen wirkt.
Das Update is ab jetzt verfügbar. Wer die beiden Schnitte bereits gekauft hat, kann sie sich einfach ein zweites Mal herunterladen.

Die Agmena soll möglichst viele Sprachen abdecken, so sind beispielsweise Akzente für Kasachisch enthalten. Mit dem Update kommen für alle Schnitte auch die Akzente hinzu, die für die chinesische Lautumschrift Pinyin benötigt werden.

Agmena Pinyin

Das gesprochene Hochchinesisch, das oft als Mandarin bezeichnet wird, benutzt vier verschiedene Tonlagen. Schreibt man die Sprache anstatt mit chinesischen Zeichen zur Aussprachehilfe mit lateinischen Buchstaben, werden die Töne mit Hilfe von vier Akzentzeichen dargestellt. Diese sind für alle Vokale in Agmena enthalten.
Wird Agmena zusammen mit chinesischer Schrift gesetzt, eignen sich am besten die Stile Songti/Sungti (wie z.B. Monotype Sung Simplified Chinese / Traditional Chinese) oder Kaiti (z.B. Monotype Kai Simplified Chinese / Traditional Chinese).

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